#014 Daniel Kopp

Daniel Kopp

5 Gedanken zu „#014 Daniel Kopp

  1. …… und wieder einmal kommt zur Sprache, dass es oft nicht „die Ungläubigen“ sind, die uns am meisten nerven, sondern unsere „lieben“ Glaubensgeschwister 😉 . Und das, obwohl Jesus (dessen Anweisungen auch nicht immer einfach zu verstehen waren) in d e m Punkt doch ziemlich eindeutig war: „Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben. An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.« (Johannes 13: 34-35)
    Au weia….. an unserer Liebe zueinander wird „die Welt“ erkennen, dass wir Jesu‘ Nachfolger sind…. sagt zumindest Jesus…. und aus seinem Mund klingt es so selbstverständlich….
    Warum „funktioniert“ das dann so oft nicht?
    Darüber habe ich schon viel nachgedacht.
    Eine vollständige Antwort habe ich natürlich nicht (wie auch auf keine andere der vielen „christlichen Fragen“).
    Lediglich ein paar Gedanken dazu:
    – Leider wohnt im Herzen vieler Menschen (also auch von Christen, denn die sind auch Menschen 😀 ) der starke Wunsch, Recht haben zu wollen ……
    – …… verbunden mit einem ausgeprägten Mangel an innerer Flexibilität und Toleranz denen gegenüber, die irgendwie „anders“ glauben ……
    – …… und beides kommt (zumindest teilweise) aus derselben ungesunden Quelle:
    DEM ANDEREN NICHT WIRKLICH ZUZUHÖREN.
    Wie oft schon habe ich erlebt, dass Menschen (Christen leider ebenso wie Nichtchristen) ihre Gesprächs- oder Diskussionspartner nicht ausreden lassen, sondern ihnen ins Wort fallen, um sie zu „korrigieren“…… und umgekehrt habe ich auch schon (leider nicht so oft) miterleben dürfen, dass unterschiedliche Meinungen, z.T. sogar ziemlich verhärtete Fronten, überwunden werden konnten – nicht im Sinne von: „Jetzt sind wir alle einer Meinung“, sondern: „Ich kann jetzt akzeptieren, dass du anders bist und anders denkst und dass deine Sicht der Dinge „trotzdem“ nicht unbedingt schlechter sein muss als meine“ – wenn Menschen bereit waren, einander GEDULDIG und RESPEKTVOLL ZUZUHÖREN……
    (Das ist übrigens eins der „Zutaten“, die diesen Podcast so angenehm und wohltuende machen: Dass die Gesprächspartner einander wirklich zuhören und aufeinander eingehen!)
    – Ein sehr praktischer Tipp, den ihr zwei da preisgebt (und der, würde er mehr beherzigt werden, sooo viel dummes Geschwätz verhindert würde): „Wenn ich von etwas keine Ahnung habe, sollte ich vielleicht einfach mal den Mund halten….!“

    Ja, „wir Christen“ ….. sind manchmal schon „ein seltsamer Haufen“ 😀 .
    Kein Wunder, dass unser „Zeugnis für die Welt“ bisweilen eher erbärmlich als erquicklich ausfällt 😉 …..

    Hof mit Himmel! Schön, dass ihr diese Sendung erwähnt….. habe ich immer sehr gerne angeschaut 🙂 …..

    Auch diese Frage taucht in den Gesprächen immer mal wieder auf: Wie viel von dem, was wir als Christen „tun und lassen“, kommt aus einem überzeugten Herzen….. und wie viel ist anerzogen oder einstudiert……? Auch In dem Bereich wird leider viel über andere gemutmaßt (oder gar verdächtigt bis hin zu verleumdet) ….. anstatt dass jeder von uns sich das immer mal wieder selber fragt – fällt ja oft schwer genug, bei einem selbst „durchzublicken“, was denn nun genau die Motivation für diese oder jene Entscheidung oder Handlung war…..

    Uff – jetzt musste ich das Anhören grad mal eine Weile unterbrechen, da mir ein eiskalter Schauer durch und durch ging, gefolgt von zittrigen Händen und beschleunigtem Herzschlag.
    Nicht „nur“ wegen der Schilderung dieses krassen Unfalls, den Daniel damals mit knapp 18 hatte….. sondern weil mir mit 16 – ebenfalls während eines Ferienjobs – etwas „Ähnliches“ passiert ist – mit weitaus weniger gravierenden Folgen (mir fehlt „nix“), aber der Vorfall an sich war auch ziemlich krass (und kam gerade eben, während des Anhörens, aus dem „tiefsten Keller“ meines Gedächtnisses mit einer Geschwindigkeit hochgeschossen, die mich selbst überrascht und überrumpelt hat. Ich arbeitete damals in einer Industrie-Wäscherei an der größten Mangelmaschine – mehrere Meter lang und mit einem Walzendurchmesser von 1,5 m. Dort hinein mussten eine Kollegin (die am anderen Ende der Walze stand) und ich den ganzen Tag über frisch gewaschene, knitterige Krankenhaus- u. Hotelbettwäsche, Tischdecken, Vorhänge u.ä. „einfädeln“, damit sie auf der anderen Seite schön glatt gebügelt wieder rauskamen. Drei Wochen und vier Tage lang ging alles gut….. und dann, am allerletzten Tag, wollte ich ein nach innen geklapptes Stück eines Bettbezugs noch schnell „herausklappen“, bevor der letzte Teil des Bezugs in die Walze hineinlief…. und bekam meine Hand nicht mehr rechtzeitig heraus. Also rollte sie, in den Bettbezug eingeklemmt, in die glühend heiße, zentnerschwere Walze hinein….. die dann zwar zum Halten gebracht wurde (durch einen eingebauten Sicherheitsmechanismus – meine Hand war ja dicker als Stoff), bevor der Rest von mir auch noch in die Walze hineingezogen wurde (das sah ich nämlich im Bruchteil einer Sekunde vor meinem inneren Auge) – aber meine Hand und der Arm bis fast zum Ellenbogen steckten ja trotzdem in dem Ding drin….. und „bruzelten“ hör- und riechbar vor sich hin.
    Genau wie Daniel es beschreibt, erlebte auch ich die gesamte Situation wie etwas Surreales…. man merkt, dass da gerade etwas wirklich Schlimmes mit einem passiert, aber man kapiert nicht wirklich, w a s genau – und man hat im ersten Schockmoment auch noch keine Schmerzen (die kommen dann aber irgendwann doppelt und dreifach).
    Anders als bei Daniel, kam bei mir kein Laut über die Lippen…. dafür schrie meine Kollegin „für drei“. Was ziemlich nützlich war, denn nur der Lagerleiter wusste, wie man die riesige Walze hochkriegt – hätte sie nicht so laut geschrien (oder wäre stattdessen in Ohnmacht gefallen), wäre er nicht so schnell angerannt gekommen und wertvolle Zeit wäre verloren gegangen. So aber war es „nur“ ungefähr eine Minute (die mir aber „wie eine Ewigkeit“ vorkam), bis mein Arm befreit werden konnte – schwer verbrannt und ebenfalls „alle Knochen gebrochen“.
    Es folgten drei Wochen Krankenhausaufenthalt incl. mehrere OPs …. anschließend ein Jahr „Krankengymnastik“, wie man das damals noch nannte (heute: Physiotherapie) …. ohne großen Erfolg. Gebrochene Knochen wachsen in der Regel wieder zusammen…. kaputte Nerven nicht. Also wurde mir irgendwann mitgeteilt, dass ich mich damit abfinden müsse, eine „nutzlose“ rechte Hand zu haben (inzwischen hatte ich längst gelernt, mit links zu schreiben und mein Leben einhändig zu meistern). Aber: Es kam dann doch anders. Irgendwann, Jahre nach dem Unfall, fing ganz, ganz sachte ein Kribbeln in der Hand an…. das ganz langsam stärker wurde….. Bis zur (fast) vollständigen Genesung vergingen nochmal viele Monate…. aber irgendwann konnte ich sogar wieder Klavier spielen. Ein Wunder? Ich denke, ja….. aber warum m i r meine Hand ein zweites Mal „geschenkt“ wurde – und Daniel nicht….. vermag ich in keiner Weise zu entschlüsseln. (Dafür habe ich in anderen Lebensbereichen Jahre oder gar Jahrzehnte vergeblich auf ein Wunder gehofft…..)
    Er sagt etwas ganz Schlichtes, aber gerade deshalb ebenso Wichtiges:
    „Es ist mir inzwischen schon lange egal, dass mir das passiert ist und ich habe auch längst damit aufgehört, die „Warum-Frage“ zu stellen. Ich will einfach nur LEBEN……“
    Möge es uns allen gelingen, uns nicht zu sehr zu verheddern in all den ungelösten Fragen unseres Lebens, sondern stattdessen „einfach zu leben“!

    Fazit: Wertvolles Gespräch – gute Impulse – und, wie gesagt, für mich persönlich ein echter Retro-Schock-Moment 😉 …..

  2. Ja, eine wirklich krasse Geschichte, sowohl die von Daniel als auch die von Silvia.
    Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass wir (und viele, die ich kennenlernen durfte – mich eingeschlossen – eint offensichtlich auch ein Lern- und Lebensprozess, der durch solche Ereignisse angestoßen wird) uns neu oder wieder neu auf den Glauben ausrichten dürfen. Nicht, dass ich denke, dass ER uns deshalb diese Katastrophen schickt (das können wir in aller Regel leider oft genug „gut“ selber einrichten) , aber uns den Blick schenkt, dass es auch aus diesen Katastrophen einen Weg heraus gibt und dass wir die Kraft dazu in uns angelegt finden und uns begleitet wissen dürfen.
    Ich bete, als Folge all dieser Erkenntnisse, das Vaterunser übrigens ein wenig anders, denn ich spüre, dass ER uns nicht in, sondern d u r c h die Versuchung führt und uns begleitet, wenn wir das zulassen können.
    Ich bin in der Nachschau extrem dankbar dafür, durch meine Zäsur die Chance bekommen zu haben, meine Leben neu ausgerichtet und aus dem „Warum mir?“ ein „Wozu? / Was darf sich ändern?“ gemacht zu haben. Ich habe erst durch meine Unfruchtbarkeit und die daraus resultierenden Panikattacken den Weg zum Glauben (inzwischen eigentlich eher ein Wissen), zum Malen und Schreiben und zu einem sinnvollen / trotzdem oder gerade deshalb sinnerfüllten Leben gefunden und durfte u.a. auch dich, lieber Klausa, kennenlernen – du erinnerst dich ja sicher :-).
    Ja, trotzdem und gerade deshalb, denn ohne diese Zäsur wäre Bewusstheit und Glaube nicht in der Art und Weise in mein Leben gekommen.

    Euch allen eine gesegnete Zeit
    Imke

    1. Das sind gute, wertvolle, in längeren Lern- und Lebensprozessen entwickelte und gereifte Gedanken und Erkenntnisse, liebe Imke, die ich gut nachvollziehen kann.
      Vieles, was uns im Laufe unseres Lebens begegnet…. gegeben…. oder genommen wird, hätten wir uns „so“ bestimmt nicht gewünscht oder ausgesucht. Aber danach fragt uns das Leben anscheinend nicht…..
      Also bleibt uns „nur“, den richtigen Umgang damit „einzuüben“…. oft auch nicht einfach…. aber es lohnt sich.
      Mein (leider schon verstorbener) hawaiianischer Schwager sagte mal zu mir, als wir über „den Sinn des Lebens“ philosophierten, dass dieser sich für ihn mit einem einzigen Satz ausdrücken liesse:
      „WE ARE HERE TO LEARN TO LOVE.“
      Dieses Gespräch zwischen uns liegt mittlerweile ein Vierteljahrhundert zurück…. aber ich habe es bis heute nicht vergessen – und „knabbere“ immer noch an diesem Satz herum, der auch für mich zu einem Lebensmotto geworden ist.
      Und heute Morgen las ich auch einen schönen Text: „Empathie lernt man nicht aus Büchern. Sie ist die Frucht des Leidens, das ohne Bitterkeit angenommen und in liebevolles Mitgefühl umgewandelt wurde.“

      Herzliche Grüße und auch dir, liebe Imke, weiterhin viel Segen bei allem „Weiterwachsen“!

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