heute muss ich doch mal wieder was schreiben zu dieser sehr interessanten Folge.
Zuallererst will ich mal sagen, dass die Kinder, die in Jonathans Relistunde sitzen, sich wirklich glücklich schätzen dürfen, einen so reflektierten Lehrer zu haben, der zwischen und hinter die Dinge sehen kann und auch die Kinder dazu ermutigt!
An manchen Stellen hatte ich allerdings trotzdem immer mal Bauchweh … Als eine, die viel auch mit Menschen arbeitet, die schon in frühester Kindheit mit einer bestimmten Form von Religion / Konfession geprägt wurden (wie ich selber auch), sehe ich Religionsunterricht mittlerweile doch kritisch. „Verkündigungsauftrag“ hört sich für mich auch deshalb schlimm an, weil hier Kinder davon abhängig sind, was ihre ELTERN glauben. Das heißt, ein Kind sitzt in evangelischem oder katholischem oder überhaupt christlichem Religionsunterricht, weil die Eltern evangelisch, katholisch oder christlich sind. Das wäre so, als würden Kinder im Sportunterricht nach den jeweiligen Hobbys ihrer Eltern aufgeteilt, also die Fußballvaterkinder im Fußballunterricht, die Tennismutterkinder im Tennisunterricht und die Kinder der Unsportlichen haben ….?
Ein Vorteil, den ich dennoch sehe, wäre, dass Kinder aus sehr fundamentalistischen Elternhäusern in einem Reliunterricht, wie ihn Jonathan gestaltet, zumindest die Chance hätten, etwas mehr Weite mitzubekommen – wenn sie nicht diejenigen sind, die dann eben sagen: „Aber da steht doch …“
Danke, Klausa, für deine Sicht auf die Abrahamsgeschichte!!! Die finde ich für Kinder wirklich entweder überfordernd oder manipulativ und selektiv eingesetzt. Da müsste auf alle Fälle (wenn wir schon von Schule und Bildung sprechen) die wissenschaftliche Seite mit rein und die Frage: „Denkt ihr denn, dass Gott das wirklich so gesagt hat?“ oder „Wie denkt ihr denn, hat Abraham die Stimme Gottes gehört?“ „Wer hat das eigentlich aufgeschrieben?“ und „Wieviel Kriege und schreckliche Taten gibt es denn auch heute noch, die Menschen begehen, weil sie es für Gottes Willen halten?“ und das würde Erstklässler sicher überfordern.
Eigentlich ist das, worüber ihr in weiten Teilen sprecht, viel mehr Philosophie. Auch Philosophie beschäftigt sich mit dem Sinn des Lebens, dem woher und wohin, ohne fertige Antworten zu geben. Ethik würde sich dann mit der Moral beschäftigen (Was du nicht willst, was man dir tu…) und Psychologie würde erklären, warum jemand von sich sagt: „Ich hab immer schon nach dem Motto gelebt, irgendwie wird’s schon…“. Denn wo der Religiöse das als Gottvertrauen deutet, würde der Psychologe vielleicht vermuten, dass derjenige in seiner frühen Kindheit einige sehr stabile und sichere Bindungserfahrungen gemacht hat, die ihm für sein ganzes Leben Selbstvertrauen und Zuversicht mitgegeben haben.
Deshalb würde ich eher für ein Fach Ethik – Philosophie – Psychologie schon in der Grundschule plädieren. Das macht mit Sicherheit keine schlechteren Menschen als aus religiösen Kindern. Auch in der Philosophie kann man die Gott – Frage besprechen, sie aber vielleicht tatsächlich viel unvoreingenommener und weiter definieren.
Jedenfalls ein sehr interessantes Thema, auch wenn ich Kinder auf keinen Fall nach den religiösen Vorlieben der Eltern aufteilen würde. Wenn aber, dann auf alle Fälle mit solchen Lehrern wie Jonathan. 🙂
Ein Gedanke zu „#118 Jonathan Leistner (2026)“
Hallo Klausa und Jonathan,
heute muss ich doch mal wieder was schreiben zu dieser sehr interessanten Folge.
Zuallererst will ich mal sagen, dass die Kinder, die in Jonathans Relistunde sitzen, sich wirklich glücklich schätzen dürfen, einen so reflektierten Lehrer zu haben, der zwischen und hinter die Dinge sehen kann und auch die Kinder dazu ermutigt!
An manchen Stellen hatte ich allerdings trotzdem immer mal Bauchweh … Als eine, die viel auch mit Menschen arbeitet, die schon in frühester Kindheit mit einer bestimmten Form von Religion / Konfession geprägt wurden (wie ich selber auch), sehe ich Religionsunterricht mittlerweile doch kritisch. „Verkündigungsauftrag“ hört sich für mich auch deshalb schlimm an, weil hier Kinder davon abhängig sind, was ihre ELTERN glauben. Das heißt, ein Kind sitzt in evangelischem oder katholischem oder überhaupt christlichem Religionsunterricht, weil die Eltern evangelisch, katholisch oder christlich sind. Das wäre so, als würden Kinder im Sportunterricht nach den jeweiligen Hobbys ihrer Eltern aufgeteilt, also die Fußballvaterkinder im Fußballunterricht, die Tennismutterkinder im Tennisunterricht und die Kinder der Unsportlichen haben ….?
Ein Vorteil, den ich dennoch sehe, wäre, dass Kinder aus sehr fundamentalistischen Elternhäusern in einem Reliunterricht, wie ihn Jonathan gestaltet, zumindest die Chance hätten, etwas mehr Weite mitzubekommen – wenn sie nicht diejenigen sind, die dann eben sagen: „Aber da steht doch …“
Danke, Klausa, für deine Sicht auf die Abrahamsgeschichte!!! Die finde ich für Kinder wirklich entweder überfordernd oder manipulativ und selektiv eingesetzt. Da müsste auf alle Fälle (wenn wir schon von Schule und Bildung sprechen) die wissenschaftliche Seite mit rein und die Frage: „Denkt ihr denn, dass Gott das wirklich so gesagt hat?“ oder „Wie denkt ihr denn, hat Abraham die Stimme Gottes gehört?“ „Wer hat das eigentlich aufgeschrieben?“ und „Wieviel Kriege und schreckliche Taten gibt es denn auch heute noch, die Menschen begehen, weil sie es für Gottes Willen halten?“ und das würde Erstklässler sicher überfordern.
Eigentlich ist das, worüber ihr in weiten Teilen sprecht, viel mehr Philosophie. Auch Philosophie beschäftigt sich mit dem Sinn des Lebens, dem woher und wohin, ohne fertige Antworten zu geben. Ethik würde sich dann mit der Moral beschäftigen (Was du nicht willst, was man dir tu…) und Psychologie würde erklären, warum jemand von sich sagt: „Ich hab immer schon nach dem Motto gelebt, irgendwie wird’s schon…“. Denn wo der Religiöse das als Gottvertrauen deutet, würde der Psychologe vielleicht vermuten, dass derjenige in seiner frühen Kindheit einige sehr stabile und sichere Bindungserfahrungen gemacht hat, die ihm für sein ganzes Leben Selbstvertrauen und Zuversicht mitgegeben haben.
Deshalb würde ich eher für ein Fach Ethik – Philosophie – Psychologie schon in der Grundschule plädieren. Das macht mit Sicherheit keine schlechteren Menschen als aus religiösen Kindern. Auch in der Philosophie kann man die Gott – Frage besprechen, sie aber vielleicht tatsächlich viel unvoreingenommener und weiter definieren.
Jedenfalls ein sehr interessantes Thema, auch wenn ich Kinder auf keinen Fall nach den religiösen Vorlieben der Eltern aufteilen würde. Wenn aber, dann auf alle Fälle mit solchen Lehrern wie Jonathan. 🙂
Liebe Grüße,
Claudia