#130 Ute Trentmann

Ute Trentmann

Triggerwarnung: Wir reden über geistliche und seelische traumatische Erfahrungen, die bei Ute in Suizidgedanken, Essstörung, Posttraumatische Belastungsstörung und Depression gemündet haben. Telefonseelsorge: 0800 111 0 111.

„Die meisten Jahre waren schwer, heftig, herausfordernd.“ Das sagt Ute Trentmann, heute Anfang sechzig, über ihr bisheriges Leben. Der Grund dafür: Sie ist lesbisch, merkt aber schon sehr früh, dass ihr christlich-konservatives Umfeld das nicht erlaubt. Sie pilgert von einer Veranstaltung zur nächsten, zu Konversionstherapien, zu frommen Ärzten, zu christlichen Therapieeinrichtungen, um von ihrer Homosexualität loszukommen. Nichts hilft. Düstere Glaubenssätze graben sich tief in ihr Herz: „Ich glaube nicht genug.“ „Ich bin einfach falsch.“ Selbst ihre Bilder, in denen sie als Künstlerin ihren Schmerz und ihre Zerrissenheit zum Ausdruck bringt, werden von Christen als satanisch diffamiert. Es folgt eine jahrzehntelange Malblockade.

Genauso lang unterdrückt Ute ihre sexuelle Orientierung, heiratet sogar einen Mann. Sie wird krank, sitzt einige Jahre im Rollstuhl. Während es in der Ehe kriselt, outet sich Ute und beschließt, sich aus ihrer Opferrolle zu befreien. Sie steht zu ihrer Identität und erkennt auch, dass Gott, dem sie trotz aller negativen Erfahrungen nie den Rücken gekehrt hat, sie so annimmt, wie sie ist.

Mit Ü60 beginnt sie ein neues Leben, schließt sich der queerfreundlichen Kirche UND Marburg an. Heute lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in der Marburger Altstadt. In ihrer Kunst verarbeitet sie auch ihre schlimmen Erfahrungen. Endlich kann und darf heilen, was Menschen ihr angetan haben. Und sie ist dankbar für jeden Kilometer, den sie mit ihrem Hund durch den Wald spazieren oder auf dem Fahrrad zurücklegen kann.

#129 Elisabeth Boodes

Elisabeth Boodes

Elisabeth Boodes wächst in einem christlich-konservativen Umfeld auf. Sie fühlt sich wohl in ihren Kreisen, entdeckt aber schon früh ihre rebellische Ader. Als ihr klar wird, dass sie sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt, steht sie vor einem Dilemma: Homosexualität gilt in ihrer Kirchengemeinde und darüber hinaus als Sünde – und davon ist sie zu diesem Zeitpunkt selbst überzeugt.

Es beginnt ein jahrelanger innerer Kampf in einem dogmatisch geprägten Umfeld. Durch intensives Bibelstudium setzt sie sich mit fundamentalen Fragen auseinander: Ist Homosexualität wirklich eine Sünde? Was bedeutet Sünde überhaupt? Und wie passt das mit Gottes bedingungsloser Liebe zusammen? Dann der Schock: Durch eine ehemals gute Freundin wird sie ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen fremdgeoutet. Elisabeth muss ihre Gemeinde verlassen. Zwei Jahre später erscheint ihr Buch „Gnade ist immer trotzdem“, das für sie zum endgültigen Befreiungsschlag und Wendepunkt wird.

Heute ist Elisabeth glücklich verheiratet. Gemeinsam lebt das Paar eine herzensfrohe Frömmigkeit – auch wenn es bis heute herausfordernd ist, sich offen als lesbische Frauen in Gesellschaft und Kirche zu zeigen. Genau darum ist es so wichtig, dass diese Geschichten erzählt werden!