#048 Pe Werner

Pe Werner
#048 Pe Werner

4 Gedanken zu „#048 Pe Werner

  1. Wow! An dieser Frau ist ja so einiges außergewöhnlich: Ihre beiden Vornamen (Malou heißt ja nun wirklich auch nicht jede zweite) … ihr Talent und ihre Stimme … der Ring an ihrem Finger … und vor allem ihre Ansichten! Endlich spricht mal eine Frau öffentlich aus, was ich (bisher) meistens nur denke (und wenn ich es doch mal wage zu sagen, in der Regel nur kritisches Kopfschütteln oder mitleidige Blicke ernte… vor allem in christlichen Kreisen): Dass ich nie mehr 24/7 mit einem Mann zusammenleben möchte – egal wie toll er sein mag (erst muss man ein solches Exemplar ja mal finden 😉 … )! Das hatte ich lange genug… und musste mir nach der Trennung meine Eigenständigkeit (in jeder Hinsicht) hart erarbeiten. Diese Freiheit und Selbständigkeit gebe ich nicht mehr her, denn ich stimme Pe darin zu, dass der tagein, tagaus gemeinsam gelebte Alltag zumindest „ein hohes Gefahrenpotenial“ in sich birgt, dass auch die Liebe zu- und Freude aneinander im Laufe der Jahre abflacht und „gewöhnlich“ wird…. aber Gewöhnlichkeit ist doch nicht das Wesen der LIEBE! Sie ist doch das Großartigste, was es gibt auf diesem Planeten (im gesamten Universum)…. und doch wird sie sooo oft in den Dreck geworfen und zu Tode getrampelt. Klar – natürlich nicht immer oder ausschließlich durch permanentes Zusammenleben (ich kenne durchaus auch Paare, die es geschafft haben, auch nach sehr vielen Jahren Ehe ihre Liebe kreativ und einfühlsam am Leben zu halten – mein Lieblingsonkel und seine Frau sind ein wunderbares Beispiel für mich, dass das möglich ist… aber das ist doch eher die Ausnahme als die Regel.) Vor allem, wenn die Kinder (sofern vorhanden) aus dem Haus sind, man (wieder) Single ist… und sich irgendwann doch noch mal verliebt und an einen Menschen „bindet“, muss diese Bindung nicht zwangsläufig im Zusammenziehen enden…..

    Die Gesprächsinhalte ab der vollen Stunde kann ich ebenfalls voll und ganz unterschreiben – mit einer kleinen aber (für mich) feinen Ausnahme – JESUS ist und bleibt „mein Held“, auch wenn ich, wie im Gespräch erwähnt, viele andere „Glaubensinhalte“ über Bord geworfen und sie durch andere Überzeugungen ersetzt habe.

    DANKE für dieses tolle, spannende, inspirierende Gespräch mit einer rundum außergewöhnlichen Frau!

  2. Lieber Klausa!
    Klar, dass alle deine Gesprächspartnerinnen und -partner immer auch ein „WOW“ verdient haben … aber Pe Werner unbestritten in ganz besonderem Maße!!! Eine der Ikonen meiner Jugendzeit, die ich, wie ich nun erstaunt feststelle, komplett aus den Augen verloren habe (das ändert sich sicher, denn ich werde schauen und vor allem hören, ob es Anknüpfungspunkte gibt. Vermutlich wird das so sein, denn deine Musiktipps sind bei mir bisher immer auf fruchtbaren Boden gefallen.

    Zunächst erst einmal an euch beide ein herzliches Dankeschön für dieses Gespräch, das, da gebe ich dir, liebe Silvia, Recht, viele spannende Einsichten zu Lebensführung und Partnerschaft beinhaltet.
    Liebe Pe – manchmal habe ich gedacht, was denn bei mir anders gelaufen wäre, wenn ich mich früher davon verabschiedet hätte, den Sicherheitsvorgaben meiner Eltern („Brotlose Kunst“ und „Mach erst einmal was Vernünftiges“ kenne ich auch) zu gehorchen. Ich habe immer nur Rebellion im Kleinen geübt, z.B. indem ich (halte dich fest) Friseurin gelernt habe – mein Vater wäre fast in Ohnmacht gefallen, weil ich, „vollkommen unter meiner Würde“, ausgerechnet einen Beruf ergreifen wollte, bei dem ja nun mal so gar kein Geld zu verdienen ist (ist leider auch heute noch einer der am schlechtesten bezahlten Handwerksberufe, wenn man sich nicht gerade selbstständig macht – wahrscheinlich, weil ihn so viele Frauen ausüben, die keine Lobby bei Tarifverhandlungen haben und immer noch traditionell zwischen Kind und Kariere wählen müssen). Vermutlich hätte es meine Eltern aber auch nicht beruhigt, wenn ich Kunst, Gesang und Fotografie studiert hätte. Damit ist in ihren Augen kein sicheres Einkommen zu generieren – fertig.
    Angefangen habe ich die Ausbildung übrigens auch, weil ich Maskenbildnerin werden wollte. Heute blicke ich auf 30 Jahre als Berufschullehrerin, u.a. für Friseure, zurück
    Damit ist aber jetzt auch gut gewesen – ich steige im kommenden Januar vorzeitig aus, weil ich all das, was mir von Gott, vom Universum, vom Leben geschenkt wurde zumindest jetzt noch genießen möchte.
    Auch ich glaube übrigens, dass wir mit Talenten und Gaben auf diese Erde kommen und sie entdecken und „durch uns durchlaufen lassen“ dürfen – eine schöne Formulierung von dir … und sie sagt genau das, was ich auch empfinde. Auch ich bin mit Talenten beschenkt, die ich nie durch Ausbildung oder Seminare verfeinert habe. Die Gelegenheit wäre durchaus da gewesen, aber es hat mich nie dazu getrieben. Heute denke ich, dass das eine meiner intuitiven Entscheidungen war, weil das, was da in mir angelegt ist, dadurch die ursprüngliche Kraft einbüßen würde. Ich singe, ohne mich um Noten zu kümmern, ich male, ohne wirklich Ahnung von Proportionen zu haben, ich schreibe, wie mir der Schnabel gewachsen ist und bearbeite meine Fotografien auch genau aus diesem Grund eben nicht, hübsche sie nicht auf, weil sie dann ihren ganz eigenen Ausdruck verlieren.
    Mein Vater hat meine Bilder übrigens immer ganz schön gefunden (das war einer seiner Standardbemerkungen: „Schon ganz schön, aber…“). Dass sie Interesse und Käufer finden könnten, hat er allerdings immer für ausgeschlossen gehalten. So hat er bei einem meiner schönsten Bilder (das jetzt in einem Beerdigungsinstitut Trost spendet) meinem Mann auf die Schulter geklopft und gemurmelt, dass es doch schön sei, wenn man ein solches Hobby habe.
    Er kann halt nicht aus seiner anerzogenen Haut.
    Mein Mann und ich gehören übrigens zu den „Sonderlingen“, die eine lange Partnerschaft durchaus zu gestalten verstehen – wir gehen heuer in unser 42. Jahr! Klar, nicht immer nur Friede, Freude, Eier suchen, aber letztlich in tiefer Verbindung und großem Respekt für die Eigenheiten und Wünsche des jeweils anderen. Und mit großer Freude an vielen Gemeinsamkeiten, die sich erst im Laufe der Zeit entwickelt haben (u.a. die Durchführung von Veranstaltung / Konzerten – grins … Freue mich auf Freitag, lieber Klausa).

    Was bei mir sehr viel deutlicher hängengeblieben ist, ist die berechtigte Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung, der sicher nicht nur in der Musikszene ein echtes Problem ist. Ich arbeite in einem Beruf, in dem zumindest die finanzielle Gleichberechtigung tatsächlich Einzug gehalten hat – wenn ich aber aus meiner Bubble herausschaue, kann ich nur sehr wenige Berufe und Bereiche sehen, in denen das auch so ist.
    Da nützt auch das Rumgegendere nichts, bei dem ich oft denke, dass selbst eine Blinde mit Krückstock sehen muss, dass hier oberflächliche Kosmetik betrieben wird.
    Ich wünschte, da wären wir schon viele Schritte weiter!

    Es gibt noch viel zu tun … und leider wird zu viel davon liegengelassen.

    Zu guten Schluss:
    JA, liebe Pe, ihr habt einen der schönsten Berufe, den ich mir vorstellen kann (neben malen, schreiben und fotografieren 🙂 – und ihr beherrscht euer Handwerk!!!

    Mit Herzensgrüßen wünsche ich euch alles Liebe, vor allem Liebe!

    Bis denne, lieber Klausa!

  3. Liebe Imke,

    wieder einmal finde ich mich in weiten Teilen deines Kommentars wieder – deshalb auch an dich ein aufrichtiges Dankeschön!

    Wow – das hast auch du, habt ihr beide, dein Mann und du, an dieser Stelle mal verdient für eure langjährige, fruchtbare Ehe! 42 Jahre Beziehung… werde i c h nicht mehr schaffen 😉 … und: Ja, wenn es grundlegend „passt“ und beide Partner sich aktiv bemühen, ihre Liebe füreinander (und – wie im Gespräch erwähnt und sehr wichtig – auch und zuallererst für sich selbst!) zu hegen und zu pflegen (Durststrecken natürlich inbegriffen), dann kann auch ein langjähriges Zusammenleben vor Langeweile und „Gewöhnlichkeit“ bewahrt werden – mehr noch (du erwähnst es ja auch): Manches Gemeinsame tritt dann möglicherweise erst nach Jahr(zehnt)en zutage…. und schafft eine noch tiefere Erfüllung und Verbundenheit als in jungen Jahren!
    In diesem Sinne: „Weiter so, Ihr beiden Lieben!“ (….und zu eurer Goldenen Hochzeit in acht Jahren komme ich dann und gratuliere euch persönlich….)

    Ach ja… das „Vaterthema“… wird wohl auch mich bis ans Ende meiner Tage beschäftigen (obwohl ich mittlerweile so einigermaßen meinen Frieden damit geschlossen habe). Wobei ich dich ehrlich gesagt fast um d e i n e n Vater beneide… denn auch wenn ich den Schmerz in deinen Worten deutlich wahrnehmen und verstehen kann, so ist er doch wenigstens in der Lage, ein „eingeschränktes Lob“ („schön… aber…“) auszudrücken! Selbst darauf warte ich bei meinem Vater schon über ein halbes Jahrhundert… und habe die Hoffnung (um den eigenen Frust nicht länger ertragen zu müssen) inzwischen aufgegeben. Manchmal wünschte ich mir, er hätte Alexithymie („Gefühlsblindheit“)… aber da er zu negativen Gefühlsaußerungen sehr wohl in der Lage ist, wird d a s wohl „leider“ nicht zutreffen….
    Vor einigen Jahren las ich einen Spruch, der der Wahrheit, denke ich, sehr viel näher kommt:
    „Wenn du endlich kapiert hast, dass das Verhalten eines Menschen dir gegenüber viel mehr mit den inneren Kämpfen dieses Menschen zu tun hat, als mit dir…. lernst du die Bedeutung von Gnade.“ – – – Seitdem empfinde ich, wenn ich mit diesem (inzwischen 86 Jahre) alten „Brummbär“, der an nichts Freude zu haben scheint, zu tun habe, viel eher Mitleid für ihn als eigenen Schmerz.

    „Rumgegendere“ = Oberflächliche Kosmetik – – – Besser hätte ich es nicht ausdrücken können!

    …..und da es von Kosmetik nicht mehr weit ist bis zu Maskenbildnerin…. und Friseurin…. hier noch eine kleine Anekdote aus meinem Leben zu diesem Thema:
    Stellt euch vor: Meinen Eltern wäre es nur recht gewesen, wenn ich Friseurin gelernt hätte (oder Verkäuferin… Hauptsache „kontrollierbar“…)! Da rannte meine Mutter (von der ich meine „wilde Mähne“ geerbt habe – das ist aber auch das einzige, was ich von ihr habe) nämlich früher jeden zweiten Samstag hin, um ihren „schrecklichen Wildwuchs“, wie sie ihn nannte, in ordentliche kleine Locken legen zu lassen… und von mir wurde während der gesamten (ersten) 20 Lebensjahre verlangt, dass ich meine Naturlocken nach dem Waschen glattföhnte – eine sehr mühsame und schmerzhafte Prozedur, wenn man sooo viele Haare auf dem Kopf hat wie ich…. Aber so wollten sie es eben – und sich gegen den Willen meiner Mutter aufzulehnen, brachte (generell) noch mehr Schmerz mit sich, als das „Gefügigkeitsspiel“ einfach mitzuspielen…. Alle 2-3 Monate wurde auch ich zum Friseur geschleppt, um die Sache wieder „in Form zu stutzen“…
    Ihr könnt euch nun wahrscheinlich denken, was ich seit meinem Auszug aus dem Elternhaus NIE mehr in die Hand genommen habe und welche „Institution“ ich nur höchst selten betreten habe (ca. 2 x im Jahrzehnt)… d a s ist bis heute (m)eine „stille Revolte“ gegen’s Eingesperrt- und Gezwungenwerden… gegen den kontinuierlichen und penetranten Versuch, mich so „hinzubiegen“ (nicht nur haartechnisch, sondern in allen anderen Bereichen auch), wie es ihnen gefiel.
    Meine Güte… man(n)/frau macht was mit in seinem Leben, gell 😉 …..

    So, Schluss für heute, ich muss „schaffe‘ geh’n“…. wünsche dir, liebe Imke, einen wunderbaren Konzertabend mit Klausa & Co. am Freitag (ach Mann…. schon wieder so weit weg….) und grüße dich und auch alle herzlich und mit den besten Wünschen vom z.Zt. superheißen Kaiserstuhl!

    Silvia

    1. Wie schön, liebe Silvia, dass wir der Gnade dann doch Raum geben können – und sei es auch begleitet von den kleinen Revolten. 😉
      Ich habe mit meinen Eltern und dem, was sie erlebt und was sie traumatisiert hat, meinen Frieden gemacht und empfinde Mitgefühl mit ihnen – sie leiden mit 88 und 90 Jahren noch immer darunter und finden einfach keinen Zugang zu ihren vergrabenen Schmerzen.

      Und ich empfinde es ebenfalls als Gnade, dass wir die Chance haben, uns dem alten Schmerz zu stellen und ihn so, auch für die die nach uns kommen, loszulassen.

      In diesem Sinne von Herzen alles Gute
      Imke

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